MARTIN LÜCKER
Organist an St. Katharinen zu Frankfurt am Main
Professor für Orgel an der Hochschule für Musik
und Darstellende Kunst Frankfurt am Main



 

 

9/11

 

Romantische Welten

 

Große Orgelmusik

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Neue Luzerner Zeitung

7. April 2014

Wunderbares Weinen

REZITAL kü. Was für ein reicher Konzertmorgen an diesem Osterfestival! Fern jeder Leistungsshow offerieren der Trompeter Reinhold Friedrich und der Organist Martin Lücker ein packendes Programm. Dieser Sonntag im KKL nimmt quasi die österlichen Leidenstage vorweg.
Natürlich spannt der sich selbst als Atheisten bezeichnende Friedrich den Bogen über den christlichen Glauben hinaus. Im Zentrum steht «Gilgul» des Italieners Luca Lombardi, eine bildhafte Erinnerung an ein Massaker, bei dem 1944 560 Italiener ermordet wurden. Und treffender könnte man diese Szenen wohl weder komponieren noch bespielen. Symbiotisch intensiv ist das Zusammenspiel der Musiker. Schmerzhaft schneiden Friedrichs Töne in den ruhigen Orgelpuls. Schwindelnde Höhen jagen die Opfer. Gespenstisch ruhig sind die Phasen des kurzen Innehaltens, aufflackernder Spiegel menschlichen Grauens.
Die anderen Stücke kreisen um diesen Pfeiler – von Bachs letzter Fuge bis zu Hindemiths Grablegung aus der Sinfonie «Mathis der Maler».

Theater der trauernden Gefühle
Reinhold Friedrich überzeugt mit seiner sprechenden Artikulation, seinem dichten Ton, der strahlend ist und doch sanft. Das Pianissimo in den obersten Lagen ist von höchster Präsenz und Intimität. Der vorzügliche Organist Martin Lücker wählt geschickt die Register, nimmt dem Instrument seine Behäbigkeit. Im Gegensatz zu anderen Organisten überspannt er nie die klanglichen Möglichkeiten im KKL-Konzertsaal. Wunderbar ist sein «Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen» (Franz Liszt), ein grosses Theater der trauernden Gefühle, eine sinnliche Reizung für Ohren, Gemüt und Intellekt. Fast erleichtert nimmt man das finale Stück entgegen. Die «Variationen über Aria della Follia di Spagna» und die Zugabe «Nun komm, der Heiden Heiland» (Bach) schaffen mit virtuoser Leichtigkeit einen sanften Übergang in den Alltag.